Liebe Forummitnutzer, sehr geehrte Pharmaberaterbranchenangehörige !
Mein Name ist Alex, ich bin 28 Jahr alt und gerade in den letzten Zügen meiner vierjährigen Doktorarbeit in der Abteilung Neurogenetik des Max-Planck-Instituts für Experimentelle Medizin in Göttingen (Abgabetermin 08.06.10).
Ich habe Biologie studiert und auch schon die Diplomarbeit im Max-Planck-Institut geschrieben. Zwischen Diplom-und Doktorarbeit habe ich ein zweimonatiges Forschungspraktikum im Bereich Chemieingenieurwesen in Sao-Paulo absolviert, wobei ich auch so ziemlich fließend portugiesisch lernte. Englisch spreche ich auch verhandlungssicher (Cambridge Certificate in Advanced English). Parallel zur Doktorarbeit absolvierte ich ein sündhaft teures (5-stellig) akademisches Managementstudium für Führungs- und Führungsnachwuchskräfte am Hagener Institut für Managementstudien, was ich erfolgreich mit einem Zertifikat abgeschlossen habe (Halbzeit) und in 2011 berufsbegleitend mit dem M. Sc. in Management abschließen möchte.
So langsam frage ich mich aber, WELCHEN Beruf begleitend

:
Ich habe vier Jahre lang in einer der weltweit angesehensten Abteilungen im Bereich demyelinisierender Erkrankungen geforscht. Myelin ist das Zeug, was um eure Nervenzellfortsätze - die Axone - gewickelt ist, und dafür sorgt, dass diese in einem Affenzahn, elektrische Impulse von A nach B weiterleiten. Ist das Myelin aufgrund genetischer Vorbelastung geschädigt, wie z.B. bei MS, gehts uns nicht gut.
Nun gut.
Obendrauf martere ich mich mit zuvor geschildertem Managementmonster, was alle aktuellen Entwicklungen im Bereich strategischer Marketingplanung, Intsrumente des Projektmanegements und Controllings, Informationsmanagement, dynamische Personalwirtschaft, Makroökonomie auf universitärem Niveau in aller Tiefe und Breite behandelt und kriege trotzdem das kalte Grübeln, wenn ich sehe, was der momentane Arbeitsmarkt für mich bereit hält. Wirtschaftskrise or what ?!
Seit Jahren steht für mich fest, dass eine PostDoc-Karriere für mich nicht in Frage kommt und ich in die Industrie will, was ich durch mein paralleles Fernstudium eindrucksvoll untermauert zu haben glaubte.
Aber nein:
- Der Bereich Qualitätsmanagement in welcher Pharmabude auch immer bleibt deeem verschlossen, der kein PHARMAKANT oder wenigstens Biochemiker ist.
Ich habe Jaaaaahrelang mit pharmazeutischen Wirkstoffen rumgepanscht, leider aber nur Biologie studiert. Möööp.
- Der Bereich Projektmanagement bleibt deeem verschlossen, der nicht schon ein paar Monde Berufserfahrung hat. Möööp.
Ich habe zig Kollaborationen angeleiert und abgewickelt, Diplomanden betreut, aber dadurch noch keine ausgewiesene Berufserfahrung. Doppelmöööp.
- Gut haben wir noch den Bereich klinischer Studien.
Da kann man, wenn man Glück hat, als der Assistent vom Assistenten des klinischen Monitors anfangen. Yippieh. Das Klinikum liegt einen Steinwurf von meinem Arbeitsplatz entfernt und ich ERFINDE die verdammten Therapien, die dann in PhaseI-Verträglichkeitsstudien und den darauf folgenden Phasen getestet werden. Statistik. Ein paar Richtlinien und Normen. Aber OHHHNE BerUUUUUUUUFSerfahrung wünscht einem die Frau Personalsachmonarchin des Pharmatempels einen guten Tag und schönen Weg.
-Der Produktmanagerposten ist in 99% der Fälle auch nur demjenigen zugänglich, der schon auf diverse Lenze Berufserfahrung zurück blicken kann. Erneutes Buzzer-Geräusch.
Verdammte Tat, ich habe eine 10 jährige , zum Teil doppelte akademische Ausbildung genossen, auf weltweit höchstem Niveau das Gehirn und dessen Erkrankungen erforscht und jetzt soll das Pharmareferenteneinsteigerdasein (ich mag lange Wörter) der einizig warme industrielle Busen sein, an dem ich mich laben kann ? Versteht mich nicht falsch, Pharmareferent ist ein ehrwürdiger Beruf und wahrscheinlich werde ich ihn am Ende tatsächlich als angriffswürdig in Betracht ziehen, doch bin ich erschüttert, dass es scheinbar wirklich die EINZIG mögliche Option für einen Fachidioten, wie mich ist. Ich dachte, ich wäre universell. Und toll. Und überhaupt. Aber weit gefehlt, ich bin nur höchst fachidiotisch ausgebdildet und mein auf die Industrie abzielendes, breitbandiges Ansinnen erkennt keiner.
Und nur für den Fall, dass ich frustriert wirke, daaaaas täääääuscht,..also ..ähhhh…, diesen Eindruck wollte ich keineswegs erwecken.
Ich werde weiterhin fröhlich meine mittlerweile Diamantenscharf geschliffenen Bewerbungsprojektile abfeuern und den Ordner mit den putativen Zielfirmen täglich neu alimentieren und hoffen dass mein virtuelles Bewerbungsmäppchen eines herbeiwünschenswürdigen Tages aus der Flut peripherer Bewerberakten hervorstrahle und die holde Personalfee dazu bewöge auszurufen:
Heureka! Da ist der Mann, der die Welt lenken kann !
Amen.
P.S.: Vielen Dank an alle Leser, die sich bis hier her durchgekämpft haben. Ihr habt mein temporäres Schicksal in euch eingelassen und mir somit, auch unbekannter Weise, virtuellen Trost gespendet.
Dankeschön und sanfte Grüße,
Alex