Wir haben es immer schon geahnt: der letzte wahre Freund der freien Presse ist Bundespräsident Christian Wullf. Er stellt nur deshalb nicht die 400 Fragen und Antworten zu seinen Affären ins Netz, weil er nicht “das Recht der betreffenden Journalisten am eigenen Wort und am Schutz der Rechercherergebnisse und – ziele” verletzen will.
Wulff bricht sein vor 11,5 Millionen TV-Zuschauern gegebenes Versprechen und opfert sich, nur um die Interessen der Medien zu verteidigen. Eine mannhafte, uneigennützige*Tat.
Weil die Journalisten aber uneinsichtig und verstockt diesen Einsatz des Präsidenten nicht zu würdigen wissen und ihn weiter mit bohrenden Fragen verfolgen, sollte er überlegen, ob er sich diesem Undank nicht durch Rücktritt entzieht. Er könnte zu seiner Bettina sagen: dieses Deutschland hat mich nicht länger verdient.
Weil er aber keine Berater mehr hat (seinen Sprecher hat er schon entlassen), die ihm dies empfehlen können,*müssen jetzt seine Freunde ran. Am besten sein bester: Carsten Maschmeyer. Ihm kann man zutrauen, dass er immer noch Einfluss auf Christian Wulff hat. Er sollte seinen Freund anrufen und sagen: “Christian, tu’*dir das nicht länger an. Mach’ Schluss! Deine Freunde fangen dich auf”.
Um ihm den Entschluss zu erleichtern, könnte ihm Maschmeyer in seiner Funktion als Literaturagent eine Million Euro Vorschuss auf die Memoiren anbieten, damit Wulff sein avantgardistisches Klinkerhäuschen auf einen Schlag abbezahlen kann und nicht seine kärgliche Pension (199.000 Euro im Jahr)*angreifen muss. Parallel könnte Veronica Ferres Bettina Wulff anrufen und ihr versichern, dass sie bei Bällen auch künftig an ihrem Tisch sitzen.
Die Politiker haben Maschmeyer so viel Freundschaft und die Bürger dieses Landes*haben *ihm so viel Geld gegeben, dass auch*der ehemalige AWD-Chef *jetzt einmal etwas für sein Land tun kann.
Wenn Wulff dann immer noch bleiben und seine Amtsabschaffung im Amt weiter betreiben will, könnte ihm Maschmeyer noch zwei Zusatzbonbons offerieren: vier Wochen kostenlosen Urlaub in seiner Villa auf Mallorca und die Übernahme der Anzeigen für die Memoiren. Auch die anderen Freunde sind in der Pflicht, an dem in Niedersachsen für Spitzenpolitiker*bewährten Urlaubssystem festzuhalten: ein paar Wochen Toscana und ein Monat Florida müssten auch noch drin sein.
So, jetzt ist Wulffs Rücktrittpaket geschnürt. Wulff muss nur per Handschlag zustimmen..
Von Michael Spreng, Medien- und Kommunikationsberater. Ehemaliger Chefredakteur des Kölner "Express", Wahlkampfmanager von Edmund Stoiber und Kolumnist für das Hamburger Abendblatt. Weiterlesen...