Erfahrungsbericht bei CIAO
Pharmareferent/in - Erfahrungsbericht - Der Pharmaberater/Pharmareferent
Zitat:
Der Pharmaberater/Pharmareferent
(ich erspare mir hier die weibliche Form der besseren Lesbarkeit wegen)
ist das Verkaufs- und Beratungsinstrument der Pharmaindustrie.
Wir sind Verkäufer - wenn auch ein bisschen andere. Die Tätigkeit im groben Überblick Geprüfte Pharmareferenten und Pharmaberater beraten Ärzte aller Fachrichtungen sowie Heilpraktiker und Apotheker über Arznei und Heilmittel ihres jeweiligen Arbeitgebers aus der pharmazeutischen Industrie. Die Beratung beinhaltet (natürlich neben dem angestrebten Verkaufserfolg) die Aufklärung der oben genannten Kunden über Wirkung, Nebenwirkung, Risiken und auch Kosten sowie die Anwendung der Produkte.
Gleichwohl müssen die PR/PB ihren Arbeitgeber über Unerwünschte Arzneimittelnebenwirkungen (UAW) informieren, wenn sie im Feld davon erfahren. Arbeitsort ist das vom Arbeitgeber meist wohnortnahe festgelegte Gebiet. Aber auch der heimische Schreibtisch.
Pharmaberater - Pharmareferent
Hier kommt der §75 AMG (Arzneimittelgesetz) zu Wort: Erforderliche Sachkenntnis des Informationsbeauftragten, Pharmaberaters
"(1) Pharmazeutische Unternehmer dürfen nur Personen, die die in Absatz 2 bezeichnete Sachkenntnis besitzen, beauftragen, hauptberuflich Angehörige von Heilberufen aufzusuchen, um diese über Arzneimittel im Sinne des §2 Abs. 1 oder Abs.2 Nr.1 fachlich zu informieren (Pharmaberater). Satz 1 gilt auch für eine fernmündliche Information. Andere Personen als in Satz 1 bezeichnet dürfen eine Tätigkeit als Pharmaberater nicht ausüben. (2) Die Sachkenntnis besitzen
1. Apotheker oder Personen mit einem Zeugnis über eine nach abgeschlossenem Hochschulstudium der Pharmazie, der Chemie, der Biologie, der Human- oder der Veterinärmedizin abgelegte Prüfung,
2. Apothekerassistenten sowie Personen mit einer abgeschlossenenen Ausbildung als technische Assistenten in der Pharmazie, der Chemie, der Biologie, der Human- oder der Veterinärmedizin,
3. Personen, deren Ausbildung oder Weiterbildung durch Rechtsverordnung nach Absatz3 als ausreichend anerkannt ist." Ziffer 3 meint Ausbildungen zum Pharmareferenten, wie Sie von besonderen Schulen angeboten werden.
Wer diese Sachkenntnis nicht besitzt muß also eine Ausbildung machen und eine Prüfung vor der IHK ablegen. Die Ausbildung zum PR im Überblick Die Ausbildung dauert in der Regel 6 Monate in Vollzeit, die Angebote unterscheiden sich jedoch in der Dauer, sie liegt zwischen 3 und 12 Monaten. Wer die Fortbildung in Teilzeit absolviert, muss mit einer Ausbildungsdauer von 6 bis 12 Monaten rechnen.
Es gibt Zusallsungsvoraussetzungen: [1]Voraussetzungen für die Zulassung zur Prüfung sind:
1. Der erfolgreiche Abschluss einer auf das Hochschulstudium vorbereitenden Schulbildung, eine abgeschlossene Berufsausbildung und eine mindestens einjährige Berufspraxis. 2. Ein mittlerer Bildungsabschluss, eine abgeschlossene Berufsausbildung und eine mindestens dreijährige Berufspraxis.
Bei der genannten Berufsausbildung muss es sich um eine nach Bundes- oder Landesrecht geregelten einschlägige Berufsausbildung im naturwissenschaftlichen, medizinischen oder kaufmännischen Bereich handeln. Die genannte Berufspraxis muss in Tätigkeiten abgeleistet sein, die der beruflichen Fortbildung zum Pharmareferenten dienlich sind. [2] Außerdem kann zur Prüfung zugelassen werden, wer durch Vorlage von Zeugnissen oder auf andere Weise glaubhaft macht, dass er Kenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen erworben hat, die die Zulassung zur Prüfung rechtfertigen.
Es können noch bundeslandabhängig leichte Unterschiede vorkommen.
Es handelt sich um einen sehr anspruchsvollen Fortbildungsgang, der ca. 1.000 Unterrichtsstunden als Regelzahl hat und z. Zt. folgende Fächer umfasst:
1. Allgemeine Grundlagen der Chemie und Physik 60 Std.
2. Allgemeine Biologie 30 Std.
3. Anatomie und Physiologie 200 Std.
4. Allgemeine Pathologie 30 Std.
5. Allgemeine medizinische Mikrobiologie und Parasitologie 40 Std.
6. Biochemie 80 Std.
7. Allgemeine Pharmakologie 60 Std.
8. Spez. Pharmakologie u. dazugehörende Krankheiten u. -verläufe 240 Std.
9. Pharmazie 20 Std.
10. Gesundheitswesen in der Bundesrepublik Deutschland 10 Std.
11. Struktur u. Besonderheiten des Arzneimittelmarktes/der -Verbände 10 Std.
12. Rechtskunde 25 Std.
13. Betriebs- und Volkswirtschaftslehre, EDV und Marketing 95 Std.
14. Allgemeine Gesprächspsychologie mit Übungen 100 Std.
Die Ausbildung kann man bei diversen Dienstleistern (DL) machen, bei Pharmareferentenschulen aber auch als Internetschule, es soll auch noch gaaanz wenige Pharmafirmen geben, die bei sehr guter Eignung ausbilden. Bisher kann (muss aber nicht) die Bundesagentur für Arbeit die Ausbildungskosten übernehmen, einige DLs übernehmen auch die Kosten - man muß sich aber dann für 2-3 Jahre verpflichten für diesen DL zu arbeiten (was ja auch wieder 2-3 Jahre Berufserfahrung bedeutet). Aus der eigenen Tasche bezahlt man ansonsten zwischen 2.500 und 5.000 Euro - je nach Schule/Einrichtung und ob auf einmal oder in Raten.
Verdienstmöglichkeiten:
Momentan verdient man als PR/PB ab 2.200 Euro als Anfänger aufwärts bis 5.000 Euro oder mehr als alter Hase. Hierbei kommt es auch darauf an, ob man PR oder PB ist und welche Ausbildung man hat. So wird ein Apotheker mit Dr. als Anfänger sicherlich viel mehr verdienen als ein Pharmakücken frisch von der PR-Schule. Ist aber auch verständlich. Mit dabei zu berücksichtigen ist, ob man über einen DL arbeitet oder direkt bei einer Firma angestellt wird. Auch, ob man im normalen API-Aussendient tätig ist oder als Klinikreferent oder Spezialaussendienst. API = Allgemeinmediziner, Praktiker, Internisten
Hinzu kommen auch Prämien - falls der Arbeitgeber die Prämienwürste nicht zu hoch hängt. Einen immer weiter nach unten tendierenden Verfall der Verdienstmöglichkeiten verursachen Quereinsteiger, die klipp und klar sagen: Ich verdiene in der Apotheke nur 1.000 oder sonstwo 1.700 Euro und ich mach den Job für 2.100 Euro und bekomme noch einen Wagen dazu. Die DLs nehmen bei grober Eignung gern diese Leute - aber nach deren Aussagen entpuppen sich da sehr viele Unfähige. Diese belasten nicht nur den Arbeits(losen)markt sondern schaden auch dem Ruf der PR7PB, die ihren Job gut und gewissenhaft machen.
Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass man nicht um 12 am Baggersee hocken kann, sondern dass man auch viel Verantwortung in diesem Beruf hat. Wer "viel Geld verdienen" will, muss auch bereit sein viel zu geben und viel dafür zu tun. Es reicht da nicht aus einen Musterweitwurf durch die Eingangstür zu machen. Das ist nicht der Sinn dieses Jobs.
Arbeitsgerät:
PKW: meistens erhält man einen PKW der Mittelklasse, dazu erhält man in 90% aller Firmen auch Tankkarten. Zusätzlich bekommt man auch Kilometer (begrenz oder frei) zur privaten Nutzung. Wenn man kein Fahrtenbuch führen muss (Privatkilometer dann 30 ct) wird dieser PKW mit 1% versteuert. Kommunikation: meist gibt es von der Firma ein Laptop, mit welchem man über das Internet mit der Firma kommunizieren kann. Je nach Firma gibt es zusätzlich einen Firmen-Telefonanschluß oder Kostenbeteiligung.
Einige Firmen stellen ein Firmenhandy zur Verfügung.
Zusätzlich auch sehr oft einen Drucker.
Tagesablauf:
Man plant seine Touren meist am Wochenende für die kommende Woche. Gut ist es mit Karteikarten zu arbeiten, da kann man bei zB Autobahnsperrungen oder Superstaus schnell seine Touren umswitchen.
Je nach Firma besucht man zwischen 6 und 14 Kunden. Wenn man Termine hat gestaltet man seine übrige Tagesplanung entsprechend.
Auch wieder je nach Firma/Produkt kommt man bei den Kunden an und zumeist hat man eine gewisse Wartezeit und muß ins Wartezimmer (auch Produktabhängig - bei Produkten, die den Arzt brennend interessieren braucht man kaum warten, hat man aber das 56. Herz-Kreislaufpräparat in der Tasche kann man ohne Probleme schonmal 1 Stunde herumsitzen). Kommt man dann am späten Nachmittag heim (HalbtagsAussendienstler eher, bei sehr kleinen Gebieten und wenigen Besuchsvorgaben auch schon Mittags) ist die Arbeit noch nicht getan. Man muß seinen Tagesablauf für die Firma dokumentieren und Mails bearbeiten. Seinen Wagen wieder neu packen und ggf. fehlende Muster oder Materialien nachbestellen bzw ausdrucken. Am Monatsende kommen noch die Spesenabrechnungen hinzu.
Muster: Man bekommt je nach Firma keine über wenige bis ganz viele Muster. Wer bei Generikafirmen arbeitet muß schon mal mit einem extra Raum an Platz für die Musterware rechnen. Andere bekommen einen Kühlschrank geliefert (Impfstoffe und ähnliches). Man braucht also einen trockenen Lagerraum (evtl. trockene Garage) - den man zur Not auch anmieten muss. Was macht man beim Kunden? Man berät ihn über seine Arzneimittel und versucht ihn davon zu überzeugen, dass das eigene Präparat Vorteile gegenüber den Mitbewerberpräparaten hat und der Arzt doch bitte das eigene verordnet.
Also VERKAUFEN!
Hat man ein Originalprodukt und gibt es noch keine Generika (Patentschutz ist abgelaufen und AM wird nachgemacht) ist das Ganze recht einfach - aber wenn man gegen Generika kämpfen muss hat man keine Chance.
Zudem schließen immer mehr Krankenkassen mit den Pharmaindustrien Verträge ab und die Ärzte können/dürfen gar keine anderen AM verordnen als diese, die im Vertrag stehen.
Wer steht einem vor?
Nun, die "Hierarchie" sieht meist so aus:
PR/PB -> Regionalleiter -> Aussendienstleiter
Meist macht man 1x im Monat mit dem RL einen Doppelbesuch, hier kann man ihm "schwieige" Fälle vorstellen oder auch Strategien besprechen. Es gibt durchaus nette und faire RLs - aber auch echte Fieslinge, die einem dazwischen reden oder einem eine Entschuldigung beim nächsten Besuch einbringen. Schulungen/Tagungen: Schulung:
Fängt man bei einer Firma neu an, bekommt man eine Schulung, diese beinhaltet die medizinisch-wissenschaftliche Schulung und das Produktmarketing aber auch die Administration bezüglich Spesen etc.
Auch bei Neueinführungen von Präparaten wird so verfahren.
Die Dauer der Schulungen für "Neue" liegt zwischen 2 Wochen und 6 Monaten - je nach Produktpalette und ob man für Generic-Firmen arbeitet oder dem Originator.
Tagungen sind ähnlich gestaltet, aber auch als IncentiveTagungen ausgelegt. Es werden die Zahlen vorgetragen, Änderungen mitgeteilt, Steigerungen besprochen und auch die Prämien bekannt gegeben. Je nach Firma und Grund können die Tagungen auch im Ausland stattfinden = Incentive. Es werden auch Ausflüge gemacht. Diese Tagungen dienen neben der Information der Belegschaft auch als Motivation und Belohnung. (Gleichzusetzen mit der Weihnachtsfeier in anderen Betrieben).
Tagungen dauern zwischen 1-2 Tagen und 1 Woche und werden meist 1x im Jahr durchgeführt. Weiterbildung: Die PR/PB können sich noch weiterbilden, indem sie das Studium zum HMP (HealthManagerPharma) an der FH in Hannover machen. Das Studium ist Berufsbegleident und dauert 1 Jahr. Man hat 3x 1 Woche Blockunterricht und ansonsten alle 14 Tage Samstag und Sonntag Unterricht. Die Kosten betragen knapp 4.000 Euro.
Info:
http://www.fh-hannover.de/de/wt/weit...eitswesen/HMP/
Dienstleister:
Man kann direkt über die Firmen angestellt werden oder über diverse Dienstleister. Immer mehr Firmen nehmen die Arbeit der Dienstleister in Anspruch. Die PR/PB sind dann bei den DLs angestellt und arbeiten im Auftrag. Die Firmen können so schnell Vakanzen füllen oder eine extra Linie aufbauen zum Puschen eines bestimmten Produktes oder bei Neueinfhührungen. Zumeist arbeitet man für 1 Jahr in einem solchen Projekt. Bei vielen gibt es eine Übernahmemöglichkeit in die entsprechende Firma.
Es gibt PR/PBs, die schon seit vielen Jahren für DLs arbeiten. Sie finden es sehr abwechslungsreich, weil jedes Jahr oder alle 2 Jahre eine neue Aufgabe mit neuen Produkten angegangen wird. Aussichten: Die weiteren kommenden Einschneidungen durch das AVWG trifft die mittelständischen Unternehmen sehr hart, aber auch die Generic Firmen die durch die immensen Preisnachlässe und weiteren Abschläge in die roten Zahlen getrieben werden.
Dies geht zu Lasten der PR/PB, welche zur Zeit dran glauben müssen - einige Pharmafirmen stampfen ganze Aussendienstlinien in den Boden.
Freiberufliche PR/PB:
Bekommen ihre Aufträge von den Firmen direkt oder über Vermittlungsagenturen. Da ich nicht freiberuflich tätig bin kann ich hier nur kurze Tips geben:
Nie nur auf Provisionsbasis arbeiten sondern auch Besuchsentgelte vereinbahren.
Manche Firmen zahlen 25 Euro pro Besuch. Es gibt hier anscheinend auch Begrenzungen der Besuchsmenge/Monat. Ich selbst habe sehr viele Jahre gut und gern im PharmaAD gearbeitet, bin aber jetzt kürzlich in den Medizinproduktebereich gewechselt. Gründe liegen mit im AVWG und der gesamten unruhigen jetzigen Zeit. GLOSSAR:
Erklärung der Abkürzungen:
PR = Pharmareferent
PB = Pharmaberater
DL = Dienstleister
AD = Aussendienst
RL = Regionalleiter Weitere Informationen:
www.pharmaberater-forum.de Forum mit Jobbörse
Berufsverbandes der Pharmaberater e.V., Deutschland | Startseite Bundesverband
Ich werde hier bei Bedarf die Aussichten und auch Verdienstmöglichkeiten editieren. Gleicher Beitrag erscheint auch anderswo unter anderem Namen.
Fazit: würde ich momentan (Sommer 2006) nicht als Ausbildung machen
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Gruß
Hino
Gemüse schmeckt viel besser, wenn man es mit 2-3 Steaks würzt.
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